Design
Ausgangspunkt des Entwurfs war der Wunsch des Bauherrn nach einem kristallinen- oder felsartigen Baukörper für ein neues Gipfelrestaurant. Wir entwickelten daraus die Idee eines abstrahierten Adlers in ruhender Pose – eine Form, die zugleich an kristalline Felsformationen erinnert und der regionalen Tierwelt, insbesondere den hier heimischen Adlern, eine subtile Referenz erweist.
Zentrales Entwurfsmotiv war das Panorama des Standorts. Die Geometrie des Gebäudes leitet sich direkt aus den Blickachsen der Umgebung ab. Die prägnantesten Fassadenflächen orientieren sich nach Norden und Osten und öffnen sich mit fast sechs Meter hohen, großformatigen Verglasungen zur Landschaft. Diese Raumhöhe verstärkt die Wirkung des Panoramas und lässt Innen- und Außenraum ineinander übergehen.
Auch die übrigen Fassadenflächen bestehen vollständig aus Glas – gegliedert in transparente und opake Paneele, wobei keine Scheibe der anderen gleicht. Das Untergeschoss, zur Hälfte in den Hang eingebettet, wurde aus vorgefertigten Betonelementen errichtet, um die Bauzeit zu optimieren. Das darüberliegende Hauptgeschoss, in dem sich das Restaurant befindet, ist vollständig in Brettschichtholz konstruiert; lediglich der Kern rund um die Küche wurde ebenfalls in Betonfertigteilen ausgeführt.
Architektur und Konstruktion
Eingebettet in eine alpine Kulisse mit 360-Grad-Panoramablick entwickelten wir ein Gebäude, dessen skulpturale Form aus dem Zusammenspiel von Bauherrenwunsch und landschaftlichem Kontext hervorgeht: ein kristallines, felsartiges Landmark.
Die Tragstruktur aus vorgefertigtem Brettschichtholz und KLH-Elementen prägt auch den Innenraum. Holz und Stein dominieren die Materialität, während die Gebäudehülle mit bis zu sechs Meter hohen Glasscheiben verkleidet ist und spektakuläre Ausblicke auf Skipisten und Bergketten ermöglicht.
Der extrem enge Projektzeitraum – von Dezember 2019 bis Dezember 2020 – erforderte eine präzise Planung. Für die gesamte Gebäudestruktur sowie alle Fassadenelemente wurde daher ein bis ins Detail ausgearbeitetes 3D-BIM-Modell erstellt. In enger Zusammenarbeit mit Fassadenplanern sowie Haustechnik- und Elektroingenieuren ermöglichte das gewerkeübergreifende digitale Modell eine effiziente Abstimmung und half, sowohl die knappen Lieferzeiten als auch die anspruchsvollen Baustellenbedingungen im Hochgebirge zu bewältigen.
Im Innenraum bietet das Restaurant Platz für rund 200 Gäste, weitere 200 finden auf der großzügigen Außenterrasse Platz. Der Terrassenboden besteht aus vorgefertigten Betonplatten, die in ein Mörtelbett mit beheizten Kupferrohren eingelassen sind. Dieses System fungiert als Außen-Fußbodenheizung und verhindert selbst bei Temperaturen von bis zu –25 °C zuverlässig Eisbildung. Die Geländer sind aus Edelstahl gefertigt; ihre Füllungen bestehen aus filigranen Edelstahlnetzen, um die Sicht auf die umliegende Berglandschaft möglichst wenig zu beeinträchtigen.
Ein besonderes Element ist das „Eagle Drive-In“ im unteren Gebäudebereich: Hier können Skifahrer schnelle Snacks und Getränke genießen, ohne ihre Skier abschnallen zu müssen.
Innenarchitektur und Akustik
Trotz seiner expressiven Architektur bleibt das Gebäude typologisch eine Skihütte – allerdings in zeitgemäßer Interpretation. Groß dimensionierte, sichtbare Brettschichtholzstützen und ‑träger strukturieren den Gastraum und schaffen gemeinsam mit den KLH-Deckenpaneelen eine warme, einladende Atmosphäre.
Die sternförmig angeordneten Träger erzeugen ein dynamisches Deckengefüge, das sich beim Durchschreiten des Raumes stetig verändert. Die dreieckigen Zwischenräume sind mit perforierten Holz-Akustikplatten ausgekleidet, die zugleich als abgehängte Decke dienen und Lüftung sowie technische Installationen aufnehmen.
Ein prägendes Gestaltungselement bilden speziell für das Projekt entwickelte Pendelleuchten in vogelähnlicher Form. Sie bestehen vollständig aus komprimiertem Filz und wirken wie ein durch den Raum ziehender Vogelschwarm – eine poetische Anspielung auf die lokale Tierwelt und das Motiv des Adlers. Zusammen mit den perforierten Holzdecken entsteht so ein ausgewogenes akustisches und atmosphärisches Raumklima.
Schlanke BSH-Stützen, in einem Raster von zwei Metern angeordnet und leicht nach innen geneigt, übernehmen nicht nur die statische Lastabtragung, sondern definieren zugleich die Fassadengliederung. Die Zwischenräume – mit einer Parapethöhe zwischen 30 und 140 cm – sind mit Holzverkleidungen gefüllt, hinter denen sich ein Heizsystem verbirgt. Dieses erwärmt die Brüstungsoberflächen aus lokalem Stein und trägt zum thermischen Komfort bei.
Raumgestaltung
Direkt nach dem Betreten des Gebäudes zieht der Barbereich die Aufmerksamkeit auf sich. Große Stahlrahmen, die zwischen unterschiedlich geneigten Holzflächen eingespannt sind, prägen das Design. Eine insgesamt 15 Meter lange Theke mit hinterleuchteten Steinplatten an der Front und einer mit Eichenholz verkleideten Oberfläche bildet das Zentrum dieses Ensembles.
Steinplatten finden sich auch entlang der Wand des Hauptgastraums. In präziser handwerklicher Arbeit wurden sie so zugeschnitten, dass sie die Silhouette der umliegenden Bergkette nachzeichnen.
Die Sitzgruppen entlang der Fassade folgen dem Fassadenraster von zwei Metern. Maßgefertigte Tische und Bänke aus Eichenholz strukturieren den Bereich, die Sitzflächen sind mit schwarzem Leder bezogen. Im Zentrum des Gastraums stehen organisch geformte Eichenholztische, die sich zu einer langen Tafel für größere Gruppen zusammenstellen lassen.
Da das Restaurant direkt im Skigebiet liegt, betreten viele Gäste den Raum mit nassen Skischuhen – eine Herausforderung sowohl für die Akustik als auch für die Materialwahl. Ein Kugelgarn-Teppichboden reduziert die Geräuschentwicklung deutlich und ist zugleich widerstandsfähig gegenüber Feuchtigkeit. Unterstützt durch eine elektrische Fußbodenheizung trocknet der Boden schnell und trägt zum thermischen Komfort bei.
Das in der abgehängten Decke integrierte Lüftungssystem arbeitet zusammen mit der Fußbodenheizung auch als Heizsystem und verhindert zudem Kondensatbildung an den großflächigen Verglasungen.